Vålerenga IF Oslo
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Tippeligaen (1. Liga Norwegen) 2003 - Sonntag, 26. Oktober 2003, 20:15 Uhr

Vålerenga Oslo - Lyn Oslo (0:0) 0:1

Spielort: Ullevaal Stadion Oslo
Zuschauer: 16.639
VIF: Bolthof - Hagen, Døhli (7.Rekdal), Hovi, Wæhler (87.M´Baye) - Jalland, Snoeckx, D.Hanssen (77.Bohinen), Gashi - dos Santos, Berre
LYN: Al-Habsi - Onstad, Berntsen, Lustü, Augustsson - Ouseb (82.Håkonsen), Sokolowski (89.Rustadstuen), J.Hanssen - Swift, Sundgot (65.H.Sigurdsson), Sørensen
Tore:
0:1 Swift (56.)
Rote Karte: Snoeckx (VIF, 58.)

An diesem Wochenende ging es wieder einmal mit meinem Cousin Denis mit dem irischen Billigflieger nach Oslo. Das bedeutete anno 2003 (also in einer Zeit, wo der Flughafen in Weeze noch ein Militärflughafen war bzw. gerade erst seit kurzer Zeit von Ryanair genutzt wurde) erst mal eine dreistündige Fahrt Richtung Süden nach Rheinland-Pfalz, zum Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück. Von da aus ging es dann in etwa zwei Stunden mit dem Flieger nach Oslo, genauergesagt zum Flughafen Oslo-Torp, der bei Sandefjord liegt, also 120 km von Oslo entfernt. Also setzte sich die lange Tour dann noch weitere 1,5 Stunden per Bus fort, bis man den Busbahnhof in Oslo erreichte. Also eine ganz schöne Tortur, hin und wieder zurück, aber bei den angenehmen Preisen des irischen Billigfliegers hielt sich das Ganze wenigstens insgesamt finanziell absolut im Rahmen.

 

Wie so oft vorher wollten wir mal wieder einen Fußballdoppler mit Besuchen bei Stabæk IF und bei Vålerenga Oslo machen, also ging es vom Hotel aus zunächst mit der U-Bahn in 20 Minuten raus nach Bærum, um das Erstligaduell zwischen Stabæk und Aalesunds FK anzuschauen. Nach Abpfiff ging es kurz noch in die Vereinskneipe "Onkel Blaa" von Stabæk und anschließend mit der U-Bahn zurück ins Zentrum von Oslo, also zurück in unsere Unterkunft in der Nähe des Königsschlosses. Und nach etwas Ausruhen ging es dann am Abend, ebenfalls mit der U-Bahn, kurz in 15 Minuten hinüber ins Nationalstadion Norwegens, ins Ullevaal Stadion, das zu dieser Zeit gleich von zwei Erstligaklubs als Heimground genutzt wurde: Von den beiden Hauptstadtklubs Vålerenga Oslo und FC Lyn Oslo. Und genau diese beiden Klubs trafen an diesem kühlen Herbstabend aufeinander, zum so genannten "Oslo-Derby".

 

Dieses Duell wurde vorher in den norwegischen Medien angekündigt als das "wichtigste Oslo-Derby aller Zeiten", weil beide Teams zu dieser Zeit tief im Abstiegskampf steckten und dringend einen Sieg zum Sichern des Klassenerhalt benötigten (was im Übrigen beide am Ende schafften). Leider konnten aber die beiden Teams auf dem Rasen den Ansprüchen an ein tolles, interessantes Derby nicht so wirklich gerecht werden. Das Niveau war insgesamt doch sehr schlecht. Beiden Teams merkte man die Angst vor einer Niederlage und damit dem Abstieg in die 2. Liga einfach zu sehr an. Die Stimmung auf den Rängen dagegen war absolut in Ordnung und einem Derby durchaus angemessen. Vor dem Spiel sangen sich beide Seiten außerhalb und innerhalb des Stadions schon lange vor dem Anpfiff warm.

Vorher hatten die Gastgeber auf der Wichtigkeit dieses Spiels auf ein endlich mal ausverkauftes Derby im Ullevaal Stadion (also ca. 25.000 Zuschauer) gehofft. Ein bisschen blöd für sie war es aber, dass das norwegische Fernsehen einen Tag zuvor bereits irrtümlich gemeldet hatte, dass das Spiel schon ausverkauft sei. So entschieden sich wohl einige für die Couch und gegen den Stadionbesuch. Trotz dieser Falschmeldung verfolgten dann schließlich fast 17.000 Zuschauer dieses Derby, das auch noch live im norwegischen Fernsehen übertragen wurde. Der Grund für die dann doch fehlenden 8.000 Zuschauer war dann wohl doch zum einen das Wetter (-1°C, aber die gefühlte Temperatur war noch viel niedriger) und eben die Tatsache, dass das Spiel live im norwegischen Fernsehen zu sehen war.

Beide Fanseiten zeigten vor dem Anstoß schöne, große Choreographien. Die Vålerenga-Supporter forderten in ihren Vereinsfarben: "En for alle - alle for en" (zu deutsch: "Einer für alle - alle für einen"), während die Anhänger von Lyn ein riesiges, rot-weißes Transparent mit der Aufschrift "Født til å elske deg" (zu deutsch: "Geboren, um dich zu lieben") präsentierten. Die Sympathien auf den Rängen waren eigentlich ganz klar verteilt. Während ca. 14.000 der anwesenden Zuschauer dem Arbeiterklub Vålerenga die Daumen drückten, unterstützten ca. 3.000 Anhänger den bürgerlichen Lokalrivalen Lyn. Dementsprechend waren die Gastgeber den Gästefans auch von der Lautstärke her natürlich weit überlegen. Erst nach dem Tor und der Roten Karte für
Vålerenga hörte man auch von den Gästefans mal etwas. Obwohl dieses Duell ohne Zweifel vom Begriff her ein Derby ist, gibt es doch eigentlich beim Duell Vålerenga gegen Lillestrøm mehr Derbyatmosphäre, einfach aus dem Grund, dass Lillestrøm im Gegensatz zu Lyn über eine fast ebenwürdige Fanszene verfügt.


Ein leichtes Übergewicht hatte Vålerenga auch auf dem Platz. Wie schon so oft in dieser Saison konnte "Enga", wie der Klub kurz genannt wird, das aber nicht nutzen. Lyn gewann durch ein Tor in der 56. Spielminute, als ein Freistoß aus 20-30 Metern an Freund und Feind und einem verdutztem VIF-Keeper Øyvind Bolthof vorbei ins Tor sprang. Zwei Minuten später war das Spiel praktisch gelaufen, als der Belgier Karel Snoeckx von VIF die Rote Karte sah. Snoeckx konnte bei einer Aktion nicht mehr ausweichen und sprang einem Lyn-Spieler genau ins Kreuz. Vålerenga war dadurch jetzt völlig aus dem Konzept gebracht und brachte nichts Konstruktives mehr zu Stande und Lyn beschränkte sich aufs Verteidigen und das 1:0 über die Zeit zu bringen.

 

Mittlerweile (Stand: 2017) gibt es dieses Oslo-Derby leider seit einigen Jahren nicht mehr, denn der FC Lyn Oslo ging Mitte des Jahres 2010 in Konkurs und das Profiteam wurde aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Man fing neu an unter dem Namen "Lyn Toppfotball" (also "Lyn Spitzenfußball") ganz unten in der 7. Liga wieder und kämpfte sich bis 2014 tatsächlich wieder bis in die 3. Liga nach oben. Die Fanszene von Lyn blieb dem Klub in den schlechten Zeiten größtenteils treu und sorgte auch für stimmungsvolle Spiele vor mehreren tausend Zuschauern in den unteren Amateurklassen, was ja nicht nur in Norwegen eher ungewöhnlich ist. Durch eine Ligenreform spielt man 2017 zwar nur noch in der vierten Liga, der sog. "Regionsligaen Avd. 2", aber der Traum ist natürlich weiterhin irgendwann eine Rückkehr in den Profifußball und irgendwann wieder ein Derby gegen den großen Lokalkonkurrenten Vålerenga.

Vålerenga-Supporter
Vålerenga-Supporter
Lyn-Choreographie
Lyn-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Vålerenga-Choreographie (Hintertorseite)
Vålerenga-Choreographie (Hintertorseite)
Lyn-Choreographie
Lyn-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Einlauf Teams
Einlauf Teams
Vålerenga-Choreographie
Vålerenga-Choreographie
Unser Blickwinkel im Ullevaal Stadion
Unser Blickwinkel im Ullevaal Stadion
Oslo Hafen
Oslo Hafen
Oslo Innenstadt
Oslo Innenstadt
Oslo Hafen
Oslo Hafen
Oslo Hafen
Oslo Hafen
Aker Brygge mit Rathaus
Aker Brygge mit Rathaus
Oslo Hafen (im Hintergrund die Festung Akershus)
Oslo Hafen (im Hintergrund die Festung Akershus)
Oslo Rathaus
Oslo Rathaus