Brøndby IF  
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FC København
  Brøndby IF Offiziell
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  FC København Offiziell
Superliga 15/16 - Sonntag, 27. September 2015, 13:00 Uhr
Brøndby IF - FC København (0:0) 1:0

Spielort: 
Brøndby StadionBrøndby

Zuschauer: 22.281
BIF: Rønnow - Larsson, Albrechtsen, Agger, Durmisi - Eriksson (62.Jakobsen), Austin (87.Ørnskov), Phiri, Rashani (62.Kahlenberg) - Pukki, Schwartz

FCK: Andersen - Høgli (7.Ankersen), Amartey, Zanka Jørgensen, Augustinsson - Kusk, Kvist (79.Toutouh), Delaney, Jørgensen - Santander (59.Verbic), Cornelius
Tore:
1:0 Albrechtsen (78.)
Schiedsrichter: Jakob Kehlet

An diesem spätsommerlichen, sonnigen Sonntag startete ich zu für einen Sonntag zu einer sehr unchristlichen Zeit. Um 6:30 Uhr klingelte bereits der Wecker in meiner Ferienwohnung. Nach 10 Minuten Fahrt von meinem Wochenend-Domizil auf Fehmarn erreichte ich den Fährhafen Puttgarden und nahm die Fähre um 8:15 Uhr Richtung Dänemark. Eine Dreiviertelstunde später betrat ich auch schon dänischen Boden in Rødby, und weitere 80 Minuten später parkte ich schon direkt vor dem Brøndby Stadion, und sicherte mir einen strategisch günstigen Parkplatz für die Rückfahrt. 2,5 Stunden vor Anpfiff war dort für dänische Verhältnisse schon eine Menge los. Vor dem Eingang zum Stehplatzbereich der Brøndby-Supporter hatte sich bereits eine lange Schlange gebildet, und man sang sich schon lautstark warm. Dazu gab es schon vereinzelt Pyrotechnik. Durch die neuen Sicherheitsbestimmungen in Dänemark, wo man seit dieser Saison eine sog. "Away-Kort" für den Besuch von Auswärtsspielen braucht, konnte man das Stadion leider nicht mehr komplett umrunden, weil der Gästebereich von Ordnern und Polizei abgeriegelt war. Trotzdem verging die Zeit bis zum Anpfiff wie im Fluge. Ich gönnte mir erst mal eine der leckeren dänischen "Pølser" mit den fantastisch leckeren Soßen und ließ mich - wie viele andere auch - auf der Wiese hinter dem Stadion nieder, um die ankommenden Brøndby-Fans zu beobachten und die Sonne zu genießen.

Etwa eine Stunde vor Anpfiff betrat ich zum zweiten Mal nach 2010 das Brøndby Stadion, und nutzte die Zeit schon mal, um auszukundschaften, von wo ich später die besten Fotos machen konnte, weil ich vorher nur noch ein Ticket ganz außen auf der Haupttribüne ergattert hatte. Durch die neuen Sicherheitsbestimmungen in Dänemark durften nur geschätzte 1.500 bis 2.000 Gästefans ins Stadion, aber durch die hundertprozentige Mitmachquote war stimmungsmäßig und auch lautstärkemäßig kaum ein Unterschied zu meinem ersten Besuch zu erkennen. Direkt neben dem Gästeblock hatten sich noch einige Hundert FCK-Fans mit Karten bei Brøndby bedient und stiegen mit in die Gästegesänge ein. Für sie wurde von den Ordnern spontan links dem Gästeblock noch ein Extrabereich abgetrennt. Schon lange vor dem Anpfiff konnte man also die Derbyatmosphäre aufsaugen, denn auch die Heimfans sangen sich schon lange vor dem Kickoff für ihr Highlight des Jahres ein. Besonders imponierte mir bei den Brøndby-Supportern, dass beim Aufwärmen jeder Spieler einzeln besungen und aufgefordert wurde, zu den Fans zu kommen und so noch einmal extra heiß gemacht wurde.

Nachdem der Anstoß wegen den Massen vor den Eingängen 15 Minuten nach hinten verschoben worden war, ging es dann um 13:15 Uhr endlich los. Brøndbys Anhänger zeigten zum Einlauf der Teams eine Choreographie über drei Tribünen. In einem römischen Amphitheater kämpfte dort ein Gladiator (der für Brøndby steht) mit einem Löwen (der für den FC København steht). Dazu wurden in den restlichen Heimbereichen blaue Fahnen verteilt und entsprechend geschwenkt. Am Ende präsentierte der Gladiator den Skalp des Löwen, was natürlich den Sieg für Brøndby über Kopenhagen darstellen sollte. Auch die Gästefans boten Optisches zum Einlauf, nämlich blaue und weiße Folien und später Fahnen sowie Spruchbänder ("Für immer weiß", "Für immer blau"). Allerdings wurden sie von gelben Rauchbomben (wer die wohl geworfen hat?)
so eingenebelt, dass man sie während der Heimchoreo so gut wie gar nicht erkennen konnte. Erst als sich der Rauch verzogen hatte und die Choreo beendet war, konnte man die FCK-Fans wieder sehen. Von den Heimfans gab es anschließend 90 Minuten lang Pyro, so dass man während der 90 Minuten fast mehr auf den Heimfanbereich als auf das Spielfeld schauen musste. Zur zweiten Halbzeit gab es auch von den Gästefans eine ordentliche Pyroshow.

Das Spiel selbst kann man - wie so oft in Dänemark - getrost vernachlässigen, denn es war wiederum nur auf einem sehr mäßigen Niveau, mit vielen Stockfehlern auf beiden Seiten. Es gab viel Kampf, Einsatz und Leidenschaft, wie sich das so wie für ein Derby gehört, aber auf der anderen Seite wenig schöne Spielzüge oder gelungene Kombinationen, und dementsprechend wenig Torchancen auf beiden Seiten. Für etwas Aufregung sorgte nur der ansonsten souveräne Schiedsrichter, der in der 7. Minute nach einem rüden Foul an FCK-Spieler H
øgli die Rote Karte für einen Brøndby-Spieler zeigte, sich aber gleich wieder entschuldigte, weil er nur versehentlich in die falsche Tasche gegriffen hatte. Der Norweger Høgli verletzte sich bei diesem Foul allerdings so schwer, dass er nicht weiterspielen konnte. Die etwas bessere Spielanlage zeigten die Gäste aus der Hauptstadt, die auch ein leichtes optisches Übergewicht hatten und wenigstens ab und zu mal gefährlich vor das Tor des Gegners kamen. Und so fiel der Siegtreffer für Brøndby 12 Minuten vor dem Ende auch eher überraschend, und war eigentlich die erste echte Torchance für die Gastgeber in der zweiten Halbzeit. Es folgte die beste, zumindest interessanteste Phase in diesem Spiel, weil die Gäste jetzt natürlich alles nach vorne warfen und es auf dem Rasen plötzlich richtig hektisch wurde. Die Gäste kamen auch in den letzten Minuten noch zu zwei sog. hundertprozentigen Torchancen, die sie aber beide nicht nutzen konnten. Und so war es für Brøndby der erste Derbysieg seit dem 29.8.2013 (3:2, ebenfalls zu Hause).

In den vergangenen Spieljahren 13/14 und 14/15 geschah etwas außergewöhnliches im dänischen Fußball: Der FC København wurde jeweils nur Vizemeister. In dieser Saison soll dann aber endlich Meistertitel Nummer 11 her. Dabei gehört man zu den eher jüngeren Klubs im Profifußball. Erst 1992 entstand der FCK aus einer Fusion des "Københavns Boldklub" (relativ erfolgreich, aber wenig Zuschauer) und "B1903 København" (relativ erfolglos, aber mit großer Anhängerschar), um endlich einen national und international erfolgreichen Klub in Kopenhagen zu haben (der Vorortklub Brøndby wird von vielen in der Hauptstadt nicht als "echter" Kopenhagener Verein angesehen). Die Erfolge seitdem können sich allerdings sehen lassen: 10 x Dänischer Meister (1993, 2001, 2003, 2004, 2006, 2007, 2009, 2010, 2011 und 2013), 6 x Dänischer Pokalsieger (1995, 1997, 2004, 2009, 2012 und 2015) und die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League 06/07 und 09/10.

Durch diese Erfolge hat der FC Kopenhagen den heutigen Gegner als dänischen Seriensieger abgelöst, denn vor 1992 war Brøndby IF in Dänemark im Fußball das Maß aller Dinge. Auch erst 1964 durch eine Fusion der niederklassigen Stadtteilklubs Brøndbyøster IF und Brøndbyvester IF gegründet, stieg man 1981 erstmals in die dänische Eliteliga auf und gewann seitdem zehn dänische Meistertitel (den letzten 2005). Dazu kommen sechs Pokalsiege (der letzte 2008). Seit Anfang der 1980er Jahre ist man international vor allem durch die gute Jugendarbeit bekannt, aus der viele dänische Nationalspieler hervorgingen, wie z.B. Michael Laudrup, Brian Laudrup, Ebbe Sand, bis hin zu den ehemaligen VfLern Peter Madsen und Søren Colding. Das Motto von Brøndby IF lautet: Supra Societatem Nemo (Niemand steht über der Gemeinschaft). Nach Jahren in der Versenkung mit Abstiegskampf will Brøndby jetzt endlich wieder oben angreifen, dieses Mal aber nicht mit guter Jugendarbeit, sondern mit Aktienemission und neuen Sponsormillionen, die in neue Spieler investiert wurden.