Über den Autor dieser Seiten:

Seit dem Jahr 1984 begleite ich als Fan den VfL Bochum. Fußball liegt zwar bei uns in der Familie, aber meine Fußballleidenschaft begann so richtig erst zwei Jahre vorher bei der Fußball-WM 1982 in Spanien, wo ich plötzlich vom Fußballvirus angesteckt wurde und im Alter von gerade mal sechs Jahren so viele Spiele wie möglich im Fernsehen schauen wollte. Vom WM-Finale Deutschland gegen Italien durfte ich leider nur die erste Halbzeit gucken, weil ich anschließend schon ins Bett musste. Der klaren Ansage meiner Mutter, "Eine Halbzeit darfst du gucken", begegnete ich immerhin kreativ mit "Ok, dann nehm' ich die zweite", aber auch das nutzte leider nichts.

 

Mein Bitten, meinen Vater einmal zu einem "echten" Fußballspiel begleiten zu dürfen, wurde dann also im Januar 1984 endlich erhört. Mein Vater war damals im Besitz einer Dauerkarte für den Block B auf der Südtribüne, und führte mich als Bochumer natürlich an meinen "natürlichen Stammverein" (wie Frank Goosen es formulieren würde) heran. Gleich in meinem ersten Spiel (gegen Werder Bremen) gab es das für den VfL Bochum typische Auf und Ab, das mich eigentlich hätte warnen müssen. Bis zur 75. Minute hatte der VfL souverän aufspielend und eigentlich beruhigend mit 3:0 durch ein Tor von Stefan Kuntz und zwei von Christian Schreier in Führung gelegen, am Ende stand es aber nur 3:3. Als ich später am Abend in der Sportschau herausfand, dass Werder in der Bundesliga-Tabelle vor dem VfL Bochum stand, empfand ich das natürlich als höchst-unfair. Aber wie hat es Nick Hornby so schön formuliert: „Seinen Verein kann man sich nicht aussuchen, der Verein sucht dich aus”.


Seit 1989 (mit dreijähriger kurzer Unterbrechung) bin ich jetzt im Besitz einer Dauerkarte für Block O in der Bochumer Ostkurve. Je nach Anlass bin ich ab und zu auch einmal auf der Haupttribüne zu finden, vor allem, wenn ein Spiel gute Bilder verspricht.

In etwa seit dem Jahr 2004 gehe ich auch einem weiteren fußballerischen Hobby - mehr oder weniger aktiv - nach, dem Besuchen von Fußballspielen und Grounds, die nichts mit dem VfL Bochum zu tun haben, was allgemein auch als "Groundhopping" bezeichnet wird. Angefangen hat das sicherlich mit dem UEFA-Cup-Auswärtsspiel des VfL Bochum bei Ajax Amsterdam im Jahr 1997, das irgendwie Lust auf mehr gemacht hat. Wieder ausgebrochen ist diese "Krankheit" bei Urlauben in Skandinavien etwa ab dem Jahr 2003, wo ich mir auf den Reisen nebenbei noch ein paar Fußballspiele anschaute, und wiederum bei einem UEFA-Cup-Auswärtsspiel des VfL Bochum, bei diesem belgischen Klub aus der Stadt, die auf luxemburgisch so passend "Léck" heißt. Als Groundhopper würde ich mich zwar nicht bezeichnen (dazu bin ich einfach zu wenig aktiv), aber als jemand, der gerne ab und zu fremde, neue Stadien oder Fußballkulturen sieht. Vor allem alte Stadien und Fußballklubs mit großer Tradition haben es mir angetan. Meine persönlichen Highlights habe ich hier zusammengestellt.


Nach zunächst nur vereinzelten Heimspielbesuchen begann die Sucht "VfL Bochum" in der Rückrunde 1987/88 so richtig, als der VfL Bochum nicht nur ins Pokalfinale einzog, sondern in der Bundesliga auch hintereinander den Hamburger SV (4:0), den VfB Stuttgart (5:1), Borussia Dortmund (2:0), Waldhof Mannheim (1:0) und den 1. FC Nürnberg (3:0) in teilweise begeisternder Art und Weise besiegte. Besonders gerne erinnere ich mich noch das Heimspiel gegen Nürnberg, das das letzte vor dem Pokalfinale in Berlin war und Ralf Zumdick als Torwart in der mehr als euphorischen Stimmung einen Elfmeter in der 88. Minute zum 3:0 verwandelte. Zum Pokalfinale nach Berlin durfte ich leider nicht fahren, aber heulte zu Hause vor dem wie ein Altar geschmückten Fernseher im Alter von 12 Jahren wie ein Schlosshund, auf Grund der total unverdienten 0:1-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt, wo wir, wie man allgemein weiß, durch ein völlig zu Unrecht aberkanntes angebliches Abseitstor von Uwe Leifeld um unseren ersten Titel betrogen wurden.

Nach ein paar Jahren, meist alleine mit Papas Dauerkarte im Block B, wechselte ich dann also ab 1989 zu den Schulfreunden in den Block "O links" in die Ostkurve, wo ich auch heute meist noch stehe.

 

Dank Maren und Markus, ihrerseits große Anhänger des FC Sankt Pauli, kam ich 2003 bei einem meiner Urlaube in Norwegen zum dortigen Fußballklub Stabæk. Oberflächlich betrachtet ein mittelmäßiger Verein aus der Peripherie der Hauptstadt Oslo, der oft finanzielle Probleme hat, kaum Zuschauer anzieht und jedes Jahr seine besten Spieler verkaufen muss. Genauer betrachtet aber ein Klub, der wie eine große Familie ist, und wo die Fans sogar Geld sammeln, um das Gehalt oder die Ablösesumme eines neuen Spielers zu bezahlen. Wo die Spieler weniger als bei anderen Klubs verdienen, aber eine verschworene Gemeinschaft sind, weil die meisten aus der Umgebung kommen oder aus der eigenen Jugend stammen, und deshalb auch oft nach den Spielen noch in der Vereinskneipe zu finden sind. Vielleicht ist es einfach diese "Fußball-Romantik", die diesen Klub für mich so interessant macht. Auf jeden Fall wird in der Stabæk-Familie jeder freundlich empfangen und aufgenommen (sogar Deutsche ;-)). 

 

Zwischen 2007 und 2009 sah es so aus, als sollte das kleine Stabæk den Sprung zum Spitzenklub schaffen. 2007 verpasste man den Meistertitel als Zweiter nur ganz knapp, aber 2008 schaffte man tatsächlich das Wunder, nämlich die erste norwegische Meisterschaft. 2009 folgte der Umzug in eine nagelneue Arena, wodurch sich der Zuschauerschnitt von 5.000 auf knapp 10.000 fast verdoppelte. Allerdings übernahm sich der Klub wieder einmal finanziell, so dass man schon bald wieder ins alte Stadion umziehen musste, und nach dem Verkauf sämtlicher Leistungsträger 2012 als Tabellenletzter völlig chancenlos in die zweite Liga abstieg. Inzwischen spielt Stabæk aber immerhin wieder im Mittelmaß der norwegischen Eliteliga.

 

Die Ähnlichkeiten zwischen Stabæk und dem VfL Bochum sind auf jeden Fall frappierend (bis auf den Meistertitel von Stabæk), denn beide Klubs schaffen es immer wieder, wenn sie ganz kurz davor sind, den Sprung nach oben zu schaffen, gnadenlos zu scheitern.

 

Daniel Cramer

 

Artikel über mich in der WAZ Bochum vom 09.05.2015: "VfL-Fan besuchte schon 300 Stadien und will noch mehr".

 

Mein unfreiwilliger "Auftritt" im ZDF Neo Magazin Royale bei Jan Böhmermann: